Samstag, 6. Januar 2018

Zum Ende der Weihnachtszeit

Epiphanias und Erinnerung an die Taufe Jesu liegen dieses Jahr ganz dicht zusammen, nur einen Tag auseinander. Damit endet die eigentliche Weihnachtszeit. In den evangelischen Kirchen wird wieder  grün gedeckt. Der Weihnachtsschmuck am Fenster und vor dem Haus verschwindet so nach und nach.
Der Christbaum steht bei uns traditionell immer etwas länger, so lange es die rieselnden Nadel und  die Verfasserin dieses Artikels erlauben...
Nun  will ich hier, bevor der Baum abgeräumt wird, ein ganz besonders schönes Weihnachtsgeschenk zeigen: einen Engel, gefaltet aus Gesangbuchblättern der alten Gesangbücher meiner Heimatgemeinde.
 Fleißige Frauen basteln und verkaufen am Adventsmarkt; Strohsterne und dieses Jahr auch die Engel. Sehr habe ich mich über dieses Geschenk am Christtag gefreut.
und ihn immer wieder betrachtet, beschattet,
im Licht, 
halb verborgen oder gut sichtbar.

Natürlich habe ich nachgesehen, welches Lied denn da gefaltet ist und zitiere es nun hier einfach mal an.
Lied 544 (altes EKG): 
Gott lebet! Sein Name gibt Leben und Stärke,
er heißet der Seinigen Sonnen und Schild.
Sobald ich, sooft ich sein Regen vermerke,
so spür ich mich innig mit Kräften erfüllt.
Sein bin ich ganz eigen,
das muss sich wohl zeigen;
lass alles, was widrig und trotzig ist, kommen,
mir wird doch mein Ruhm und mein Gott nicht genommen. 



Die hohe Nummer verweist auf den alten württembergischen Teil des Gesangbuches; in dem viele Lieder aus dem Pietismus, der großen Glaubenstradition meiner Landeskirche, zu finden sind. Der Pietismus war damals vor gut 300 Jahren eine durchaus revolutionäre Bewegung in einer erstarrten Kirche; ein Weg vom verordneten Glauben, nachdem zu glauben ist, was Herzog und Kirchenobere glauben, hin zum persönlichen Glauben und auch zur Aufwertung des Individuums. Auch das war Reformation, eine Kirche, die sich immer wieder erneuern muss: Ecclesia semper reformanda!

Und siehe da, das Nachschlagen des Liedes führte zum Verfasser 
Johann Albrecht Bengel (1687-1752), der unsere Landeskirche auf diesen damals neuen Weg führte.
Das Lied spricht seine Sprache, die Sprache seiner Zeit und Religiosität.
Wir singen heute, wenn wir denn singen, andere Lieder.
Wir loben Gott mit neuen Lieder - und manchmal auch mit den alten!
Bedenkenswert, vielleicht auch dem einen oder der anderen ein Trost und Halt in schweren Zeiten, ist dieser Text noch immer.
Rechtfertigung und Zuversicht - unter dieser Überschrift ist es im heutigen Evangelischen Gesangbuch zu finden. (EG 613 in der württembergischen Ausgabe)

1 Kommentar:

amselgesang hat gesagt…

... und so singt der Engel - wenn auch für unsere Ohren unhörbar - sein Lied. Schön!
Die alten Gesangbuchblätter mit ihrem dünnen, durchscheinenden Papier sind ein wunderbares Material für solche Basteleien.
Herzliche Grüße und ein gesegnetes Jahr!
Brigitte