Montag, 13. April 2015

Ins "Göppinger Allgäu", was heißt: ins Ottenbacher Tal ...

... zog es mich letzte Woche. Recht spontan, angeregt durch eine Wandertafel im Nachbarort, die
"Glaubenswege" beschreibt.
Auch ich bin Glaubenswege gegangen, im Ottenbacher Tal. Dort haben wir als junge Eheleute 3 Jahre
gewohnt und unser erstes Kind bekommen  Ich habe in der dortigen Evangelischen Kirchengemeinde den praktischen Teil meiner Ausbildung absolviert und abgeschlossen.
Menschliche Verbindungen bestehen noch heute. Immer wieder kehren wir gerne zurück.
Diesesmal habe ich allein eine Tour unternommen, bin früh los, noch in der Kälte.
Geparkt habe ich, wie immer, an unserem Evangelischen Gemeindehaus;
eingeweiht am Palmsonntag1987, mitten in der Diaspora, mit einem großen Festgottesdienst, einer feierlichen Einweihung und einer ganzen Festwoche mit vielen hervorragenden kulturellen und anderen Veranstaltungen
4 Pfarrer im Talar waren am Gottesdienst beteiligt: Prälat, Dekan, Gemeindepfarrer und ich als Letzte.
Für die kleine Diasporagemeinde war das eine durchaus wichtige Sache; nie werde ich die Bewegung
in manchen Gesichtern vergessen, als Prälat Aichelin aus Ulm, ein stattlicher Herr, auf dessen Brust das Prälatenkreuz gut aufliegen konnte, die "Grüße der ganzen Landeskirche" überbrachte.
Das ist nun bald 30 Jahre her; vieles ist geschehen, Schönes und Schmerzliches; manches ist geblieben,
manches hat sich verändert. So ist es, das Leben.
Wer einsam geht, hat Zeit den Weg zu genießen, die Sonne, die zunehmende Wärme, die Anstrengung beim Anstieg; die Freude, Bekannte ganz zufällig zu treffen;
Zeit, auch sich zu erinnern.
So bin ich hochgestiegen, über Kitzen und den Haldenhof,
durch die Kuhweide mit knapp 100 Kühen,
bis unter die Steilkante und die letzten Meter hoch zur Straße über das Rehgebirge.
Dort kann der Blick weit schweifen,
zur Reiterleskapelle und zum Kalten Feld, zum Messelberg und in die Donzdorfer Gegend,
zum Stuifen, dem einsamsten der Kaiserberge -
und natürlich auch zum Staufen, der schwäbischen Berge Schönstem!
Ohne Ablenkung sieht die Wandersfrau umso mehr....

ein weites Feld;
ein großer mächtiger Baum, der alles dominiert und doch dem Gras die Sonne lässt...
Wege und Straßen, die rechts und links, nach Westen und nach Osten immer wieder schmal und steil
hinabführen,
zu Einzelgehöften, Weilern, Dörfern und Städten...
Naturerscheinungen....
und auch Glaubenszeugnissen am Wege. Kreuze, Wegekreuze.
Deshalb ist der Weg wohl auch ausgeschrieben als "Glaubenswege".
Da hätte ich allerdings doch gerne die eine oder andere kleine Informationstafel gesehen und gelesen;
denn hinter diesen Glaubenszeugnissen am Wege, seien es Kapellen, Kirchen, Kreuze oder Bilder
verbergen sich oft Geschichten, Erfahrungen, die Menschen gemacht haben, mit Gott und der Welt,
mit sich und anderen. Glauben ist für mich "verdichtete" Gotteserfahrung; das Christentum eine Religion, die auch von und mit Geschichten lebt. Die christliche Gemeinschaft ist von Anfang an eine Erzähl-
gemeinschaft. Und hier nun gab es leider nur einen Hinweis auf dem ganzen Weg - und der galt  einem Denkmal, das nur über eine nasse Wiese zu erreichen war. Der Rest - ich hätte gerne mehr erfahren.
Vielleicht steht es ja im Begleitbuch oder im Internet. Aber ich, ich war ja solo unterwegs, ohne Buch und ohne Internet. Über die Höhe und über die Linden-und Herbenhöfe wieder hinab ins Tal.
Nachtrag: Im Internet findet sich tatsächlich einiges an Information, auch zu diesem Kreuz.
Eine kleine!! Infotafel würde aber auch diejenigen informieren, die einfach unterwegs sind. Vielleicht ganz zufällig! Und würde  auch Erinnerungen bewahren... (Leider sind die touristischen Informationen im Artikel sehr veraltet; so gibt es z.B. den Märchengarten nicht mehr!)

Trotzdem, die Wanderung war schön! Sehr schön!
Das Ottenbacher Tal ist immer eine Reise wert; eine Wandertour sowieso!

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