Dienstag, 8. November 2016

Der Mond ist aufgegangen....

... ein güldnes Sternlein pranget,
am Himmel hoch über der Bucht.

Mond und Stern erinnern mich an das Lied, das ich wohl am häufigsten von allen Liedern jemals gesungen habe; mit meinen Kindern und für meine Kinder. Als gesungenes Abendgebet oder um dieKinder in den Schlaf zu tragen, zu wiegen und zu singen. Oft haben die 6 (die eigentliche 6. Strophe habe ich ausgelassen)  Strophen nicht gereicht; ein zweiter Durchgang, ein dritter und auch mehr waren nötig oder wurden gewünscht. Die letzte Strophe - die haben wir oft variiert, für die kranken Lieben, für Mensch und Tier. 
Dies alles gehört für mich zu diesem Lied und macht das Tippen der 7 Strophen wert.

Der Mond ist aufgegangen, die güldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille und in der Dämmerung Hülle
so traulich und so hold
als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer
verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mund dort stehen? Er ist nur halb zu sehen
und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen,
weil unsre Augen sie nicht sehn.
 
Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder 
und wissen gar nicht viel.
Wir spinnen Luftgespinste und suchen tausend Künste
und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, lass dein Heil uns schauen; auf nichts Vergänglichs trauen,
nicht Eitelkeit uns freun;
lass uns einfältig werden und vor dir hier auf Erden
wie Kinder fromm und fröhlich sein.

Wollst endlich sonder Grämen aus dieser Welt uns nehmen 
durch einen sanften Tod;
und wenn du uns genommen, lass uns in Himmel kommen,
du unser Herr und unser Gott.

So legt euch denn ihr Brüder, in Gottes Namen nieder.
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns Gott mit Strafen und lass uns ruhig schlafen.
Und unsern kranken Nachbarn auch.
(Matthias Claudius, Evangelisches Gesangbuch, Nr. 482)

1 Kommentar:

amselgesang hat gesagt…

Ja, auch für mich ist dieses so tiefsinnige wie schlichte Lied eins der schönsten und liebsten (überhaupt Matthias Claudius... der war meinem Herzen schon immer sehr nah). Am Abend, an den Kinderbetten hab ich den 6.Vers auch ausgelassen, aber eigentlich liebe ich den fast am meisten! So einfach, fast kindlich gesprochen ohne jede Oberflächlichkeit. Wenn einem irgendwann die klugen Worte ausgehen, kann man das immer noch singen!
Grüße von Herzen,
Brigitte