Montag, 8. April 2013

Etwas lang und kompliziert war sie schon, die Anreise....

... ins Wüstenland Jordanien.
Dienstag vor Ostern sollte es losgehen, in der Frühe, ab Stuttgart. Nachmittags um14 Uhr (MEZ) sollte ich da sein, Flughafen Amman. Jordanien. Wüstenland. Wärme. Sonne. Mein Sohn
So war der Plan. Und ich - ich zählte die Stunden.
Bei uns - am Morgen davor - schaurig-weißes Erwachen. 
Und es schneite weiter, den ganzen langen Tag.
Am Abend kehrten sie dann heim, Mann und Tochter aus dem Hohen Norden.
Alles schien zu passen, um 5 Uhr morgens fuhren wir zum Flughafen, das leichte Übergepäck (Care-Pakete für den Sohn, Büchsenwurst, Maultaschen, Landjäger, Apfelmarmelade... Werkzeug, Ersatzteile....ein bissle Wäsche für mich) wurde toleriert, nichts beanstandet, pünktliches Boarding.
Dann nahm es seinen Lauf.... Ansage des Piloten, Verzögerung bei der Abfertigung zum Start: etwa 1 Stunde.
Daraus wurden anderthalb. Meine Befürchtung, meinen Anschluss in Wien zu verpassen, wuchs.
Irgendwann ging es los; dann wieder die Durchsage: Schneechaos in Wien. 1 Landebahn gesperrt. Der Anflug gebremst, die Landung verzögert. Das Wetter in Wien: Nur zum Heulen.
Noch machte mir die Stewardess Mut. Nein, sie hätte keine Auskunft, dass mein Anschluss schon weg sei, ich solle mich beeilen, ans Gate zu kommen - was in Wien leichter gesagt als getan ist, die Gänge sind endlos, und auch im Transferbereich gibt es nocheinmal Passkontrolle und Sicherheitscheck. Grausig.

Mein Rucksack war unendlich schwer, hatte ich ihn doch in Stuttgart mit Zeitschriften für den Sohn und vor allem mit einem guten Kilo Schokolade bis zum Platzen gefüllt.

Das Flugzeug war weg. Lange Wartezeit am Schalter der Airline, dann die Umbuchung nach Frankfurt und über Frankfurt nach Amman - aber "erst heute Abend". "Dann sind sie um 1.15 Uhr in Amman." Die freundliche Dame war sehr bemüht, suchte und überprüfte all meine Vorschläge: Geht es nicht auch über München? Mit Royal Jordanien? Oder über Istanbul? Air-France über Paris? Nein, das sei alles noch schlechter oder völlig ausgebucht... aber vielleicht  Bukarest..... aber nein, Frankfurt sei doch das Beste. Da hätte sie zwei Flüge, sogar den ersten gleich nachher könne ich noch erreichen.
Also gut; auch das mit dem Gepäck sei gar kein Problem, sie hätte es eingegeben und der Kollege in der Gepäckverwaltung hätte das jetzt bereits auf dem Monitor und würde entsprechend handeln.

Ich eilte zum nächsten Gate, wieder lange Wege, Boarding schon in Gang, im Bus bei offener Tür und laufendem Motor versuchte ich vergeblich meinen Sohn zu erreichen, damit er sich nicht 9 Stunden!!!!! zu früh auf den langen Weg zum Flughafen machen sollte. Nix ging. Der Anruf von meinem Handy kam nicht durch. Es war zum Verzweifeln. Aber wenigstens eine, wenn auch schlechte, Verbindung nach Hause, zur Tochter, mit der Bitte, den Bruder anzurufen und zu stoppen. Ich würde mich dann aus Frankfurt nochmal melden. Sie handelte schnell und kompetent.

Dann ein ruhiger, bequemer Flug nach Frankfurt. Recht zum Ausruhen von all der Aufregung.
6 Stunden Aufenthalt in Frankfurt. Der Anruf zuhause beruhigte; mein Sohn war informiert und hatte alles bereits gut umgeplant und neu organisiert. So nahm das lange Warten seinen Lauf.

Lesestoff und Strickzeug war dabei, ein Ruhebereich zum Beine Hochlegen (und die schweren Wanderstiefel ausziehen.....) fand sich.
Irgendwann kaufte ich noch Zahnpasta und Zahnbürste und fühlte mich nach dem Frischmachen doch auch wieder recht wohl.
Kurz nach 19 Uhr startete ich dann endlich, endlich nach Amman. Hinter mir ein skandinavischer junges Paar, das offensichtlich bereits von Schwerhörigkeit geplagt war, was sich durch permanent brüllende Unterhaltung bemerkbar machte. Aber irgendwann war auch das überstanden; mein freundlicher Sitznachbar, ein Deutscher jordanischer Herkunft, quasi Kollege ( ein Imam) begleitete mich durch Geldwechsel und Visastelle - und wir warteten gemeinsam aufs Gepäck.

Doch ach, das Malheur ging weiter - mein Gepäck kam nicht. Schließlich machte sich der Kollege auf den Weg und wies mir noch den Weg zur Gepäckinformation. Dort geriet ich (nachts kurz vor 2 Uhr jordan. Zeit; Mitternacht in Europa) ins pralle Leben; wartete, erklärte, erfuhr dann, mein Koffer sei leider noch in Wien und käme erst morgen Abend. Aber selbstverständlich würde es mir nachgeschickt, aber selbstverständlich auch ins Hotel nach Petra. Ich solle  den Namen des Hotels auf einen Zettel schreiben und auch das Aussehen meines Koffers. "No problem, Mam!"

Irgendwann, so kurz vor 3 Uhr, war ich dann draußen, durch den Zoll. Der jordanische Zöllner sah wohl meine Erschöpfung, hörte meine Verzweiflung und interessierte sich überhaupt gar nicht mehr für meinen prallgefüllten Rucksack.
Draußen wartete der Sohn, schon lange. Die Besatzung der Lufthansa war längst an ihm vorübergeschritten; auch die schwäbische Kontrollstation hatte schon angefragt, ob die Mutter nun endlich angekommen sei. Damit wusste der Sohn  immerhin, dass ich nicht wieder umgedreht hatte....
Aber dann war alles gut. Noch eine Stunde Fahrt durch das nächtliche Amman, dann durchs Tor ins Schulgelände, Schlüssel für ein Zimmer im Guesthouse, hinüber ins Internat in sein Zimmer.... bei ihm das nötigste zusammengesucht..... T-Shirt zum Schlafen, etwas knapp, aber was soll es?
Irgendwann gegen halb fünf lag ich im Bett - und fühlte nur noch tiefen Frieden. Endlich da. Geborgen.
Zugedeckt. Gewärmt.
Um 5 dann die Rufe verschiedener Muezzins von verschiedenen Moscheen. Dann endlich Schlaf. Einige Stunden.
Irgendwann trafen wir uns zum Frühstück, ein Rundgang übers Gelände der Schule.
Sonne, Wärme, Farben, Blumen....
der ibrahimitische Garten, an dem er seit Wochen arbeitet....

eine Fahrt nach Marka, einem absolut traditionellen orientalischen Stadtviertel, wo ich mir das Nötigste besorgte... Hygieneartikel... leichte Stoffschuhe für die Fahrt in den Süden.... Unterwäsche, was gar nicht so einfach war. Das erste Wäschegeschäfte führte nur "Dessous" der attraktiveren Art.... aber ich wollte ja "simple underwear" und 1 Paar Socken.
Aber irgendwann war auch das geschafft und wir fuhren los .... in den Süden... auf den Highway durch die Wüste... nach Petra.... der verborgenen roten Stadt, auf die ich mich so sehr gefreut hatte.

Abends waren wir dann da, checkten ein, im schönen, sehr guten Amra Palace Hotel in Wadi Mousa,
genossen ein wunderbares Abendessen vom Buffet... und dann "Petra by Night". Vollmond über der Wüste, durch den Siq, zum Schatzhaus, Musik und Tänze der Beduinen.Im Dunkeln, der Weg nur erleuchtet von vielen, vielen Kerzen, dem Vollmond.... und leider auch den Taschenlampen und Blitzlichtern vieler Mit-Touristen, die meinten, schlechte Bilder seien wichtiger als das einfache Erleben dessen, was sich sowieso nicht auf Fotos festhalten lässt. Vollmond über der Wüste.

Petra bei Tag - damit geht es dann morgen weiter. Hier.

Kommentare:

anupa hat gesagt…

WOW! Was ein Abenteuer. Danke - mit Spannung lese ich Deinen Bericht.

Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Herzliche Grüsse
Anupa Gabriele

Margrit hat gesagt…

Das war ja schonmal eine spannende Anreise. Und ich denke, es wird spannend weitergehen. Spannend, nicht chaotisch.
Freue mich auf deine Berichte, auf deine Erlebnisse.

Viele Grüße
Margrit

Amelie hat gesagt…

Wenn man in dem Chaos steckt, dann denkt man, dass es kein Ende nimmt. Später ist es Vergangenheit und nur noch abenteuerlich. Tolle Reise!
LG Amelie