Mittwoch, 29. August 2012

Aufs Kalte Feld,....

übers Kalte Feld und wieder hinunter .... sind wir gegangen, am vergangenen Sonntag,
beim ersten spätsommerlichen oder frühherbstlichen Sturm. Eine Wanderung, wie ich sie mag, mit dem, der seit vielen Jahren neben mir wandert, oft schweigend, schauend, genießend.
So sind wir hoch von Nenningen, im Tal der Lauter, hinter Donzdorf, das Christental, stetig ansteigend;
am Christentalhof eine kleine Senke, dann der letzte "Stich" hinauf zum Pass.
Dieses Stück hatte ich irgendwie viel länger und vor allem viel steiler in Erinnerung. Gut so!!! Andersrum wäre es schlimmer!.
Oben, genau auf der Passhöhe zwischen dem Lautertal (einem Seitental des Filstales) und dem Remstal steht die Reiterles-Kapelle und bietet einen weiten Blick über den Rand hinaus.

Eigentlich müsste sie ja Reuterles-Kapelle heißen.
Davon will ich nun ein bisschen erzählen, nachlesen lässt sich das alles auf zwei Tafeln in der Kapelle, aber auch in manchem Sagenbuch und sicher auch irgendwo hier im Netz. Wer sucht, der findet.
Das ist schon der erste Bibelspruch, an den hier erinnert wird.
Aber nun zur Sage:
Vor langer Zeit hatte einer die Herrschaft über dieses schöne Land, der kein guter Herr war. Er war einer,
der das Land und die Menschen ausbeutete, selber dagegen in Saus und Braus lebte, feierte, soff und sicher auch Schlimmeres. So galt er als keines Menschen Freund. Nur mit einem pflegte er Umgang, Freundschaft wäre wohl zu viel gesagt: mit dem reichen Bauern vom Reuterleshof, der ihm immer wieder Geld lieh, obwohl ihm der Schuldner nur selten oder gar nie etwas zurückzahlte.
Aber auch Gewaltherren leben nicht ewig. So starb auch jener Herr, der zugleich ein Hauptmann war.
Nicht im Frieden.
Als der Bauer Reuterle davon erfuhr, erschrak er sehr. War es doch so etwas wie Trauer um einen Freund,
oder Erleichterung oder Sorge um all das, was er nun vielleicht nie wieder zurückbekommen würde.
Denn so reich kann ein schwäbischer Bauer gar nicht sein, als dass er einfach nur nehmen und leihen und geben könnte, das geben die steinigen Äcker dort oben am Rande der Alb einfach nicht her.
So machte er sich auf zum Amt nach Winzingen, um von seinem Besitz noch zu retten, was vielleicht noch zu retten war und nahm all die Schuldscheine mit. Die Sache dauerte lange, und es nachtelte ein, bis der Bauer auf den Heimweg kam. Und dann geschah es. Oben auf dem Pass. Zwischen den beiden Tälern.
Ganz oben. Ihm wurde ganz seltsam, ein Sturm kam auf, laut fauchend und heulend, so wie am vergangenen Sonntag (wo auch ich mich auf schmalem Pfad einmal am Baum gehalten habe...) und plötzlich meinte er ihn zu sehen, oder sah ihn wirklich: den Verstorbenen, wegen dem er unterwegs war so spät in der Nacht.
Er sah ihn so, wie die alten Sagen es berichten von den Gewalttätern und Wüterichen: ohne Kopf, auf einem Pferd, umgeben von einer Meute wilder Hunde.
Aber mehr noch: Er rief den Bauern an, machte ihm Vorwürfe, nannte ihn einen Geizkragen, verfluchte ihn, weil er in Winzingen beim Schultes auf dem Amt gewesen war...
Der Bauer erschrak nahezu zu Tode. Seine Rettung waren das Nachtläuten von einer der Kirchenglocken in der Nähe. So flüchtete er sich dahin, wo er Rettung erhoffte, ins Gebet und schwor den Bau einer Kapelle.
Das hat er dann auch getan. Zum Seelenheil für den, der soviel Unrecht und Gewalt getan hat im Leben,
für den, der ihn verflucht hatte, weil er nur forderte, was recht war - ließ er die Kapelle stiften.
Segnet, die euch fluchen; bittet für die, die euch verfolgen! so steht es in der Bergpredigt.
Lange habe ich nachgedacht über die Geschichte vom Reuterlesbauern und dem wilden Hauptmann; es mag gewesen sein, wie es will, Recht und Unrecht liegen oft recht nah beieinander,
aber der Reuterlesbauer hat Recht getan. Er hat Freiheit geschaffen durch seine erlösende Tat.
Den Verstorbenen, den die Sage so eindeutig kennzeichnet als Verlorenen, als unerlösten Täter, hat er befreit durch sein Eintreten vor Gott im Gebet für ihn, obwohl er es so gar nicht verdient hatte. Nur so, so berichtet es die Sage, konnte auch er seinen Frieden finden. Und taucht nicht mehr auf.
Aber auch sich selber hat der Bauer befreit, von der Angst, vom (falschen oder echten) schlechten Gewissen.
Vergeben kann frei machen. So schwer das ist, so unsagbar schwer es sein kann.
Lange habe ich nachgedacht, auf dem folgenden steilen Weg hinauf aufs Kalte Feld.
Aber noch eine zweite Geschichte gehört zur Reiterleskapelle. Auch sie ist es wert, erinnert zu werden.
Es war in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945, die amerikanischen Truppen von Norden her schon im Anmarsch. Da sollten der Paß gesichert werden, der Befehl zur Errichtung einer Panzersperre war gegeben.
Material stand ganz oben bereit. Die mehrhundertjährige alte Linde, die zur Kapelle gehört.
Soldaten bekamen Befehl, beim Bauern unterhalb der Kapelle auf dem Christentalhof, Werkzeug zum Fällen zu holen. Der Bauer fragte nach und erschrak in seine Seele hinein. Diese Linde zu fällen, erschien ihm ein Frevel gegen die Natur und alles, was recht war.
Es muss ein kluger Mann gewesen sein, denn er verweigerte nicht einfach das Werkzeug und hätte damit sich und die seinen sicher in Lebensgefahr gebracht, so irregeleitet wie jene Zeit war; nein, er ging mit hoch zum
Anführer des Truppes, redete, argumentierte und bot zum Ersatz Stämme aus seinem Wald.
So rettete er die alte Linde. Sie steht noch heute.
Auch eine Geschichte, die sich lohnt, zu erzählen. Mit Klugheit und Mut, mit beidem, den Mächtigen entgegentreten und widerstehen. Respekt vor diesem klugen Mann.

Irgendwann, mit all diesen Gedanken, waren wir dann oben, auf dem Kalten Feld, einer dieser wunderbaren Halbinseln am Rande der Alb, etwa 800 m hoch,
das Franz-Keller-Haus bot ein bisschen Schutz vor dem Wind, bevor wir wieder weitergingen,
gen Süden, den Blick auf das Spiel der Wolken am Himmel,
 auf das Lichtspiel über den Wäldern und den immer neuen Ausblicken ins Tal.


Kommentare:

Marguerite hat gesagt…

Ein wunderbarer Beitrag, den ich sehr gerne gelesen habe! Danke!
Liebe Grüsse
Margrith

Sabine hat gesagt…

Sehr schöner Beitrag!
Als ich noch klein war, waren wir öfters zum Skifahren am Kalten Feld, kann mich noch schwach dran erinnern. Stamme aus dem Remstal, meine Eltern wohnen noch dort. Vielleicht sollte ich auch mal wieder zum Kalten Feld fahren und wandern. Dankeschön!

Grüßle,
Sabine

Domics Pinnwand hat gesagt…

Was für schöne Geschichten - und danke auch für die schönen Bilder!

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